SO KANNST DU IN DEINER KIRCHE EINE NEUE KULTUR ETABLIEREN

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übertragen und stammt von Michael Kelley aus dem Rooted Network USA. Du kannst den Artikel hier im Original lesen: Leaders, Stop Focusing on Culture and Start Focusing on Behaviors

Wenn du in deiner Gemeinde Veränderungsprozesse leiten möchtest, dann hör auf, dich auf die Kultur zu konzentrieren und richte deinen Fokus auf das Verhalten.

Patrick Lencioni vertritt in seinem Buch „The Advantage: Why Organizational Health Trumps Everything Else In Business“ die Auffassung, dass sich ein Leiter fast ausschließlich auf die Kultur einer Organisation konzentrieren sollte. Denn die Gesundheit einer Organisation macht den größten Unterschied. Simon Sinek ist ähnlicher Meinung. Er sagt, dass die Organisationskultur nicht nur eine von vielen wichtigen Komponenten guter Führung ist, sondern dass sie das Hauptaugenmerk eines jeden Leiters sein muss.

Die Herausforderung mit der Kultur

Und damit ist er nicht allein. „Kultur“ scheint das aktuelle Leadership- Schlagwort in vielen Kirchen zu sein. Immer mehr Bücher und Artikel führen dahin, dass sich Leiter mehr und mehr auf die Kultur der Organisation konzentrieren, die sie leiten.

 

Das Problem ist jedoch, dass ein tiefgreifender Wandel in der Kultur einer Organisation wie einer Kirche extrem schwierig durchzuführen und noch schwieriger dauerhaft zu verankern ist. Jeder Pastor, der eine Aufgabe in einer länger bestehenden Kirche übernommen hat, kann das nachvollziehen. Das liegt daran, dass die Veränderung der Kultur einer Organisation immer eine grundlegende Veränderung der DNA dieser Organisation bedeutet. Kultur ist das zugrundeliegende Wahrnehmungs- und Verständnisraster, das die Handlungen und Einstellungen einer Organisation beeinflusst. Kultur hat sich über Jahre und Jahrzehnte entwickelt aus dem, was man aus positiven und schwierigen Erfahrungen gelernt hat. Sie wurde geprägt von Leitern und spiegelt die Kultur der Zeit, in der diese Organisation entstanden und gewachsen ist. Eine solche gewachsene Kultur zu ändern bedeutet, die eigentliche Quelle der Stabilität einer Gruppe zu verändern. Kulturveränderung führt daher meist zu Unsicherheit und Widerstand.

 

Der Boden ist übersät mit Leitern, die sich mit den besten Absichten an die Arbeit gemacht haben. Sie haben davon geträumt, zusammen mit ihrer Kirche ein neues Leitbild zu entwickeln mit einer inspirierenden Vision, neuen Werten und einem wiederentdeckten Auftrag- nur um wenige Jahre später entweder ausgebrannt oder arbeitslos dazustehen. Der Grund dafür ist einfach: Eine Organisation auf kultureller Ebene zu verändern, ist extrem schwierig.

Verhalten>Kultur

Wie also kann es funktionieren, eine Gemeinde in einen gelingenden Veränderungsprozess zu führen? Die Antwort ist, sich nicht mehr so sehr auf die Kultur zu konzentrieren, dafür aber mehr auf die Verhaltensweisen.

 

Edgar Schein, der als einer der ersten die Kultur von Organisationen und Unternehmen erforscht hat, sagt, dass sich die Kultur als Produkt des gemeinsamen Lernens innerhalb einer Organisation entwickelt. Dieses Lernen hat sich im Laufe der Zeit durch verschiedene Leiter, schwierige Umstände und andere gemeinsame Erfahrungen angesammelt. Und genau aus diesem Grund muss sich ein Leiter auf das Verhalten konzentrieren, wenn er einen kulturellen Wandel herbeiführen will.

Unser biblisches Vorbild

Lass uns das am Beispiel der ersten Gemeinde in Jerusalemer anschauen. Es handelte sich hier um eine Gruppe von Gläubigen, die einen klaren Auftrag von ihrem Herrn Jesus Christus erhalten hatte: „Aber wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, werdet ihr mit seiner Kraft ausgerüstet werden, und das wird euch dazu befähigen, meine Zeugen zu sein – in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und überall sonst auf der Welt, selbst in den entferntesten Gegenden der Erde.“ (Apg 1,8). Wie er es ihnen versprochen hatte, bekamen die ersten Christen kurz darauf zu Pfingsten Kraft, als der Heilige Geist auf sie fiel (Apg. 2,1-4) und viele Menschen aus Jerusalem gläubig wurden, so dass die Gemeinde täglich wuchs (Apg 2,41).

 

Aber die Kirche ging nicht so darüber hinaus, wie Jesus sie angewiesen hatte. Sie hatten eine „Jerusalemer“ Kultur. Es bedurfte einer großen Verhaltensänderung, um sie dazu zu bringen, weiterzugehen: „Noch am selben Tag brach über die Gemeinde in Jerusalem eine schwere Verfolgung herein. Alle, die an Jesus glaubten, flohen und zerstreuten sich über das ganze Gebiet von Judäa und Samarien.“ (Apg. 8,1).

 

Auf diese Weise kam die Gemeinde in Bewegung und diese Bewegung zieht sich durch die gesamte Apostelgeschichte. Der Rest des Buches berichtet davon, wie die Kirche diese neue Kultur auslebte und den Auftrag Jesu erfüllte, bis an die Enden der Erde zu gehen. Doch dieser kulturelle Wandel geschah nicht, weil die Kirche eine missionarische Kultur förderte; die Kultur änderte sich nur, weil durch äußere Umstände eine Verhaltensänderung angestoßen wurde.

Reflektion

Wenn du als Leiter die Kultur deiner Gemeinde verändern möchtest, dann beginne nicht bei der Kultur! Suche stattdessen zunächst nach einigen Verhaltensweisen, zu denen du ermutigen kannst, weite diese Verhaltensweisen dann auf die gesamte Organisation aus und feiere und fördere sie. Denn dieser gemeinsame Lernprozess wird eine neue Kultur in deiner Kirche prägen.

 

Nimm dir Zeit für die folgenden Fragen:

  • Was hat die Kultur deiner Gemeinde geprägt? In welcher Zeit ist sie entstanden? Welche schwierigen Umstände hat sie erlebt? Von welchen Leitern wurde Kultur geprägt?
  • Kultur ist das, was man lebt, wenn man sich keine Gedanken darüber macht, was man lebt. Kultur ist Routine, Gewohnheit und Muster. Mit welchen Worten würdest du die Kultur deiner Gemeinde beschreiben?
  • Welche Veränderungen wünschst du dir für deine Gemeinde? Von welcher Kultur träumst du?
  • Welche inneren Dynamiken und Widerstände von Personen, Gruppen oder Gemeinden erlebst du, wenn du Veränderungsprozesse anstößt?
  • Welche Veränderung von Verhaltensweisen könntest du anstoßen, die letztlich zu einer neuen Kultur führen werden?

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