KIRCHENTRENDS 2025
TREND 4:
Der Aufstieg der nicht-nachgemachten Kirche
Dieser Artikel ist Teil einer Serie, in der wir die Church Trends 2025 des kanadischen Pastors, Bloggers und Podcasters Carey Nieuwhof kommentieren:
Nachgemachte Kirche
Mit diesem Trend argumentiert Carey Nieuwhof zunächst, dass es eine Zeitlang eine Formel für moderne, wachsende Kirche gab, die sich um Musik, Predigt, Kinder und Teams gedreht hat.
Wir behaupten schon länger, dass es im Grunde genommen leicht ist, eine wachsende, attraktionale Kirche zu sein, für die du im Grunde genommen nur drei fitte Leiter brauchst: Einen Lobpreisleiter, der zeitgemäße Musik spielt, einen Prediger, der lebensnah kommuniziert und einen Verwalter, der Finanzen und Organisation beherrscht. Auf diese Weise wird dein Gottesdienst schnell moderner und besser sein, als der der Nachbargemeinde und ein Großteil der ortsansässigen Christen kommt zu dir. Umliegende Gemeinden beobachten das Verhalten so einer Kirche und fangen an sie nachzuahmen.
Eine nachgemachte Kirche ist nicht nur nicht authentisch, sie passt auch nicht zu den Menschen/ der Kultur, die sie erreichen will. Denn: Sie spricht nicht die Sprache der Menschen, sondern die nachgemachte Sprache. Die Einzigartigkeit und das persönliche Element der Ortsgemeinde leidet.
Ein weiteres Problem einer nachgemachten Kirche ist, dass sie nicht oder kaum die Freiheit gibt, Dinge umzugestalten. Sie funktioniert oft nur in sich selbst.
Wenn wir viele Gottesdienstbesucher als maßgeblich für Erfolg empfinden, dann würden wir so eine Gemeinde wohl erfolgreich nennen, aber es ist fraglich, ob das dem Willen Gottes entspricht. Denn sie kopieren kein Modell, dass Menschen zu Jüngern macht, sondern dass lediglich Gottesdiensträume füllt.
Wie wir wissen, schätzt die Gen Z Authentizität in besonderem Maße. In ihrer digital durchdrungenen Welt ist vieles aufgesetzt. Und wie Carey sagt: „Die nächste Generation sucht nicht nach einem Echo ihrer aktuellen Kultur, sie suchen nach einer Alternative zu ihr.“ Gerade deshalb sei es wichtig, dass Kirchen sich vom Heiligen Geist leiten lassen, um so echte, ungeskriptete Momente zu schaffen, so argumentiert er. Wir würden gut daran tun, sehr wohl voneinander zu lernen, sollten uns aber nicht dazu verleiten lassen, auf jeden Trend oder Hype aufzuspringen.
Ich sehe in Deutschland einen Trend zur nachgemachten Kirche, aber leider noch keinen Trend zu nicht nachgemachten Kirchen, trotz eines immensen Bedarfs. Jetzt sind wir gefragt!
Was können wir tun?
Ich glaube, dass wir, wenn wir Jüngerschaft leben, ganz automatisch „nicht-nachgemacht“ sind. Hier sind drei Wege wie das geschieht:
- Kontextualisierung: Eine Kirche, die auf Jüngerschaft setzt, wird automatisch einen sehr eignen Fingerabdruck haben. Wenn wir unsere Nächsten erreichen wollen, werden wir in ihre Kultur eintauchen und das Evangelium kontextualisieren. Paulus hat das bekannterweise in seiner Rede auf dem Areopag schon getan. Daraus ergeben sich eigene Sprach- und Verhaltensweise, die einer jüngerschaftsfokussierten Gemeinde individuell sind.
- Nächstenliebe: Konsequent auf Jüngerschaft zu setzen, bedeutet konsequent die Menschen zuerst zu stellen und mich ganz in diese Beziehungen hinzugeben. Um mit den Menschen in Verbindung zu treten, werden wir ihren Weg ein Stück weit teilen. Ich gehe Seite an Seite mit jemandem, auf Augenhöhe und lasse mich ganz auf ihn ein. Nicht aus Methode, sondern aus echter Nächstenliebe. Ich bin so persönlich, authentisch und transparent wie nötig, um diese Person für Jesus zu gewinnen. Nicht-nachgemacht ist was passiert, wenn wir uns ganz auf Menschen einlassen.
- Einfachheit: Ich bin überzeugt, dass Jüngerschaft ganz einfach zu verstehen ist. „Komm, folge mir nach, ich werde dich zu einem Menschenfischer machen.“ Das ist prägnant und unkompliziert – auch wenn es nicht immer leicht umzusetzen ist – es ist kein komplexes Konzept. Und etwas, das einfach zu verstehen ist, kann ich einfacher gestalten und mit Leben füllen. Es bleibt keine mir ferne Idee, sondern ich habe das in meiner Hand und forme und fülle es. Das wird maßgeblich von meiner Persönlichkeit beeinflusst und ist dadurch nicht nachgemacht.
Jetzt ist die Zeit Menschen zu Jüngern zu machen!
Ja, ich glaube, dass Menschen sich nach etwas echtem, persönlichen und nicht nachgemachtem sehnen. Wir sollten uns nun nicht dazu verleiten lassen, Authentizität programmatisch zu verordnen. Wir sollten uns da hineingeben, den einzelnen Menschen zu sehen und alles daran setzen ihn für Jesus zu gewinnen. Wenn wir das ehrlichen Herzens tun, werden wir ganz selbstverständlich authentisch und echt sein (müssen). Wir müssen uns nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob wir denn glaubwürdig und echt sind. Wir müssen selbst dem zutiefst authentischen, integren und liebevollen Jesus nachfolgen und ihm in diesen Eigenschaften ähnlicher werden.
Zur Reflektion:
Nehmt euch als Leitungsteam Zeit, um folgende Fragen zu diskutieren:
Was machte es so attraktiv andere Gemeinden nachzuahmen und wo liegen darin Spannungen?
An welcher Stelle lernt ihr eure Stadt und die Menschen darin besser kennen und wie spricht das Evangelium in die Themen, die eure Stadt/euren Ort/eure Region beschäftigt?
Wie würdet ihr als Gemeinde Erfolg definieren?
Wer ist der eine Mensch, dein Nächster, den du liebst, wie dich selbst? Teilt die Namen miteinander und betet gemeinsam für sie!
Entwickelt eure eigene Idee!
Es ist unser Anliegen, dass ihr eine Kirche seid, die dem Auftrag Jesu gerecht wird. Wir möchten euch durch Coaching unterstützen, euren Weg zu finden, diesen Auftrag zu leben. Kontaktiere uns für mehr Infos: info@juenger-macher.de
Hier findest du unsere Kommentare zu den Church Trends 2025: