FÜNF WEGE WIE MISSIONALE GEMEINDEN VERPASSEN KÖNNEN, DEN AUFTRAG GOTTES ZU LEBEN
Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übertragen und stammt von dem Rooted Network USA.
Der Begriff „Missional“ ist unter christlichen Leitern in den letzten 15 Jahren zu einem Schlagwort geworden. Menschen, Kirchen und sogar Organisationen wollen missional sein. Aber wie passt eine missionale Haltung zu dem klassischen Verständnis von Mission in dieser Welt? Ich stimme der Warnung von Stephen Neill zu:
„Wenn alles Mission ist, ist nichts mehr Mission.“
Was "missional" bedeutet
Heute wird der Begriff „missional“ verwendet, um die missionarischen Aktivitäten einer Gemeinde, eine Bewegung gleichgesinnter Kirchen oder die eigene Rolle als Missionar in der Nachbarschaft zu beschreiben. Ich habe sogar einmal gehört, wie ein Pastor von „missionaler Beleuchtung“ in seinem Gemeindesaal sprach.
Manchmal wird der Begriff „missional“ auch in einer Weise verwendet, die wir als problematisch empfinden könnten. Manche verwenden das Wort, um soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Wandel in einem solchen Ausmaß zu fördern, dass Gerechtigkeit den Ruf zur persönlichen Evangelisation überschattet oder sogar ersetzt. Andere verwenden den Begriff zu eng und beziehen sich ausschließlich auf die Berufung, Menschen im lokalen Umfeld oder in der Nachbarschaft zu erreichen. Das klingt zwar auf den ersten Blick bewundernswert, aber wenn es nicht als Teil des Ganzen gesehen wird, lenkt es davon ab, dass durch den Missionsauftrag Jesu aus Mt. 28 kulturübergreifend alle Menschen erreicht werden sollen. Wieder andere verwenden den Begriff „missional“ als Gegensatz zu attraktionalen (anziehenden) Gemeinden. Sie möchten damit eine Art von Kirche beschreiben, die ihren Schwerpunkt weg verlagert von der programm- und eventbasierten Arbeit, hin zu einer Kirche, die näher bei den Menschen ist und zu ihnen geht, statt sie in ihre Gottesdienste kommen zu lassen. Es scheint, als sei „missional“ zu einem Begriff geworden, in dem sich alle Ideen sammeln, wie Kirche anders sein kann. Die Menschen sehen darin, was sie wollen, und übersehen manchmal, was sie brauchen.
Worte sind wichtig. Sie prägen unser Verständnis und unseren Umgang mit Ideen – egal, ob sie richtig oder falsch sind. Wie können wir also besser verstehen, was mit Missio Dei, der Mission, missional und missionarisch gemeint ist?
Missio Dei: Missio Dei ist auf Gott ausgerichtet. Gott ist auf einer Mission, um sich selbst in dieser Welt zu verherrlichen. Missio Dei ist das, was Gott aus Liebe zu seiner Schöpfung in der Welt tut. Dies ist die allumfassende, erlösende Gesinnung Gottes gegenüber seiner gefallenen Schöpfung.
Das Wort „Mission“ kommt vom lateinischen Wort „missio“ und bedeutet „Sendung“ oder „Auftrag“. Gott ist ein sendender Gott. Er sendet sein Wort und die Welt entsteht. („Und Gott sprach… Und es ward…“ 1. Mose 1)
Gott sendet seine Propheten zu seinem Volk und sie sprechen seine Wahrheit in eine bestimmte Situation. Gott sendet sich selbst in der Person von Jesus Christus und rettet diese Welt. (Joh. 1,1-14) Gott sendet seinen Geist, um mit uns in dieser Welt unterwegs zu sein. Und Gott sendet uns als Kirche in diese Welt, mit dem Auftrag, Menschen zu Jüngern zu machen. (Joh. 20,21) Gottes Wesen, sein gesamter Charakter ist Mission.
Mission: Die Mission ist auf alle Menschen ausgerichtet. Dieser umfassende Begriff bezieht sich auf die Gesamtheit der Aufgabe, zu der die Kirche in die Welt gesandt ist. Mission ist etwas, an dem wir teilhaben, indem wir uns dem anschließen, was Gott tut. Wenn du ein Nachfolger Jesu bist, bist du von Natur aus zur Mission berufen, weil du ihn zum Herrn deines Lebens erklärt hast. In Lukas 4,18-20 wird beschrieben, wie Jesus kam, um den Verletzten, den Ausgegrenzten und den Armen zu dienen. In Lukas 19,10 wird beschrieben, wie Jesus kam, um die Verlorenen zu retten. Mission ist dieses doppelte Werk der Verkündigung des Evangeliums und der Demonstration des Evangeliums.
Missional: Missional ist auf die Gläubigen ausgerichtet. Es beschreibt Christen und Kirchen, die die Mission leben, indem sie Gottes Auftrag in der Welt annehmen, verkörpern und umsetzen. Christen sind missional, wenn sie sich als Werkzeuge seines Reiches an dem Werk Jesu beteiligen, den Verletzten zu dienen und die Verlorenen zu retten.
Missionarisch: Ein missionarischer Lebensstil ist auf die Berufung fokussiert. Er ist die praktische Umsetzung des Missionsbefehles aus Mt. 28 in einem spezifischen, meist kulturübergreifenden Kontext und damit Antwort auf die Berufung Gottes. Während ich mich also in meiner Nachbarschaft missionarisch engagiere, antwortet ich auf den Ruf Gottes in einem kulturübergreifenden Kontext.
Oft wird dafür der Begriff „Missionar“ als Bezeichnung für bestimmte Menschen verwendet, die einer bestimmten Berufung in einem bestimmten Kontext folgen. Während es die Berufung aller Christen ist, missionarisch zu leben (missional zu sein), sind Missionare diejenigen, die sich kulturübergreifend (oft in anderen Ländern) in der Evangelisation und Jüngerschaft engagieren. Die Vernetzung unserer Welt macht es zunehmend möglich, sich in der Mission zu engagieren, ohne sein eigenes Land zu verlassen. Diese lokalen Möglichkeiten zur Mission werden zweifelsohne weiter zunehmen. So könnte Mission heute sowohl bedeuten, zu einer unerreichten Volksgruppe in einem anderen Land zu gehen, als auch in eine überwiegend muslimische geprägte Gegend in unserem Land zu ziehen. In beiden Fällen ist der Missionar herausgefordert, die Sprache und die Kultur zu lernen und die besten Wege zu finden, um Christus zu bezeugen und weiterzugeben.
Verpassen wir unseren Auftrag?
Stephen Neill war besonders besorgt über den Verlust der kulturübergreifenden, klassischen Missionsarbeit, und ich teile diese Sorge heute. Gerade bei Kirchen, die sich selbst als „missional“ bezeichnen, stelle ich oft einen Mangel an kulturübergreifenden missionarischen Aktivitäten fest. Dafür gibt es meiner Meinung nach fünf Gründe:
- Bei der Wiederentdeckung der „Missio Dei“ haben viele die persönliche Verpflichtung gegenüber dem eigenen lokalen Umfeld überbetont, und zwar auf Kosten der Verpflichtung, Gottes Reich unter allen Völkern voranzubringen. Grundsätzlich ist es eine wichtige Erkenntnis, dass Mission bei mir – in meinem Leben, in meinem Ort und mit meiner Gemeinde – beginnt. Allerdings kann dieser Individualismus leicht den globalen Fokus behindern.
- Als Reaktion auf die „Missio Dei“ wollten viele Gemeinden mehr missionarisch ausgerichtet (missional) sein und haben daher alles zur Mission gemacht (z. B. eine missionarische Beleuchtung).
- In Bezug auf „Missio Dei“ kümmern sich viele zunehmend (und zu Recht) um die Verletzten, aber weniger um die weltweit Verlorenen. Schuhkartons zu Weihnachten, weltweite Projekte für Waisenkinder und die Bekämpfung des Menschenhandels sind wichtig, aber sie können ungewollt unseren Blick für die Erlösung aller Völker trüben.
- Bei der Neuausrichtung der „Missio Dei“ konzentrieren sich viele auf die Demonstration des Evangeliums auf Kosten der Verkündigung des Evangeliums. Man kann die Bibeltexte über den Missionsbefehl Jesu oder die Überzeugung von Paulus nicht lesen, ohne zu dem Schluss zu kommen, dass das Neue Testament die Kirche dazu zwingt, der Welt die gute Nachricht zu verkünden, dass Rettung nur in Christus zu finden ist.
- Indem sie das Wort „Missio Dei“ ständig wiederholen, verlieren viele Gemeinden den Auftrag der Kirche aus den Augen, mit ihrer globalen Mission weltweit präsent zu sein.
Menschen einladen, Teil des Auftrages zu werden
Gott hat eine Mission, und er ist auf einer Mission, weil sie untrennbar mit seinem Wesen verwoben ist. Und so wie Gott der Vater den Sohn gesandt hat und den Heiligen Geist als Teil seiner Mission, so sendet er auch uns als seine Kirche in die Welt, um sein Evangelium zu verkünden und Jünger unter allen Völkern zu erwecken:
„Danach sah ich eine riesige Menschenmenge aus allen Stämmen und Völkern, Menschen aller Sprachen und Kulturen; es waren so viele, dass` niemand sie zählen konnte. In weiße Gewänder gehüllt, standen sie vor dem Thron und vor dem Lamm, hielten Palmzweige in den Händen und riefen mit lauter Stimme: Das Heil kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm!“ Off. 7,9-10
Wir sehen die Frucht von Gottes Mission in der Vision von Johannes in Offenbarung 7, wo das Evangelium alle Nationen, Stämme, Völker und Sprachen erreicht hat. Zu diesem Zweck sendet Gott sein Volk in die entlegensten Teile der Welt, um die Verlorenen zu erreichen.
Fragen zum Weiterdenken
Haben die Leute in deiner Kirche verstanden, was die Mission Gottes (Missio Dei) ist? Kennen sie Gottes Leidenschaft, Menschen aus allen Völkern zu erreichen? Verfügen sie über die richtigen Worte, um diese wichtige Wahrheit zu besprechen und zu leben? Haben sie eine gesunde und ganzheitliche Vorstellung davon, wie sie ihren Glauben durch einen missionarischen Lebensstil in die Tat umsetzen können?
Wie vermittle ich Gottes Wirken in der Welt? Wie denke und spreche ich über unsere Rolle als Einzelner und als Gemeinde in seinem Werk?
Verpasse nicht die Mission Gottes, nur weil du etwas missverstanden hast oder eine Sache zu sehr oder zu wenig betonst. Gott wird durch sein Volk- seine Gemeinde- in dieser Welt wirken und du kannst Teil seiner Mission sein.